Ist Eigenfertigung oder Fremdbezug besser für die Liefertreue?
Das Wichtigste in Kürze
- Die Frage Eigenfertigung oder Fremdbezug wird hier am Ziel Liefertreue entschieden.
- Fällt eine Spezialkraft im Engpass aus, etwa der Elektriker in einem Arbeitsschritt, stoppt der ganze Auftrag.
- Klassische Planungstools rechnen mit idealen Kapazitäten und bilden diese Zeitverzögerungen kaum ab.
- Treiberbäume mit Reihenfolge und Zeiteffekten zeigen, wann die verlängerte Werkbank die Liefertreue sichert.
Kurze Folge, klare Frage: Soll ich einen Auftrag intern fertigen oder fremd vergeben, mit dem Ziel, die Liefertreue einzuhalten? Klassische Planungstools rechnen mit Kapazitäten im Idealzustand. Was sie oft nicht abbilden: die Zeitverzögerungen, die durch einen kleinen Engpass entstehen, zum Beispiel wenn die Spezialkraft am vierten Arbeitsschritt ausfällt.
Ziel: Liefertreue
Wir starten eine kleine Serie: einzelne Fragen, kurz beantwortet, Best Practice aus der Industrie. Die erste Frage: Eigenfertigung oder Fremdvergabe? Ein bekanntes Thema, das wir uns unter einer Fragestellung anschauen: Soll ich einen Auftrag intern fertigen oder fremd vergeben, mit dem Ziel, die Liefertreue einzuhalten?
Um das Problem zu zerlegen, fragen wir zuerst: Was ist das Ziel, was ist gerade die wichtigste Kennzahl? Hier ist es die Liefertreue. Der Deckungsbeitrag ist auch wichtig, aber wir denken vom Mehrwert aus, und der liegt hier in der Liefertreue.
Der Engpass: eine Spezialkraft
Was Planungstools oft nicht gut abbilden, sind die Zeitverzögerungen, die durch einen kleinen Engpass entstehen. Ein Beispiel: Ein Metallteil braucht vier Arbeitsschritte, und an einem dieser Schritte brauchen wir eine bestimmte Spezialkraft, sagen wir einen Elektriker. Er ist die Engpassstelle im ganzen System.
Wenn er krank ist, fehlt nicht einfach eine Person für ein paar Stunden. Der Auftrag stoppt an dieser Stelle, denn ohne ihn lässt sich die Elektronikkomponente nicht mit dem Metallteil verbinden und die Baugruppe nicht fertigstellen. Eine Spezialkraft, die vermeintlich nur zwei Stunden oder zwei Tage fehlt, hat so einen großen Effekt auf die Liefertreue. Dann müssen wir entscheiden: Geben wir den Schritt an diesem Tag oder generell in der Planung an eine verlängerte Werkbank, weil wir wissen, dass hier ein Engpass ist? Oder behalten wir ihn in der Eigenfertigung?
Zeitabhängigkeiten statt Idealkapazität
Im Gegensatz zum klassischen Planungstool schauen wir uns nicht nur die Kapazitäten im Idealzustand an. Vereinfacht: Der Elektriker braucht für jeden Auftrag zehn Minuten, schafft x Stück pro Schicht und hat noch eine Stunde Puffer, also wird es schon gut gehen.
Was in historischen Planungstools meist nicht abgebildet ist: Was passiert mit dem Rest des Unternehmens, den anderen Aufträgen, der Liefertreue und dem Deckungsbeitrag, wenn sich dieser eine Engpass verschiebt? Dafür braucht es eine zeitabhängige Komponente. Wir lösen das mit der Simulation von Treiberbäumen, die nicht nur Kapazitäten, sondern auch die Reihenfolge und Zeiteffekte abbilden.
Die Kernaussage: Statt nur zu fragen, wie oft ein Auftrag in einer idealen Planungswelt in die Schicht des Elektrikers passt, beziehen wir die Abhängigkeiten zwischen den Arbeitsschritten in die Planung ein. So kann man im Alltag sofort gegensteuern, wenn etwas passiert. Denn am Montag um 9:17 Uhr haben sich seit der Planung am Freitag schon wieder zehn Dinge geändert.
