In welcher Reihenfolge digitalisiere ich Stammdaten sinnvoll?
Das Wichtigste in Kürze
- Die meisten Digitalisierungsprojekte starten mit allen Daten und investieren erst Monate und Millionen in Stammdaten, bevor ein Nutzen entsteht.
- Circonomit dreht die Reihenfolge um: zuerst die wichtigste Entscheidung des Unternehmens.
- Danach die fünf bis zehn wichtigsten Treiber dieser Entscheidung.
- Erst dann die Stammdaten, die für genau diese Treiber zählen. Was noch fehlt, startet als Schätzwert und wird schrittweise durch echte Daten ersetzt.
- So entsteht ab dem ersten Tag Transparenz, und die Stammdatenqualität wächst dort, wo sie gebraucht wird.
In dieser Folge sprechen wir über eine bekannte Herangehensweise, um aus Daten Insights zu erzeugen, um bessere Unternehmensentscheidungen zu treffen. Doch was, wenn die Datenqualität unzureichend ist und es auch ohne große Vorab-Investition in Stammdaten und Implementierung funktioniert? Wir teilen, wie wir mit den zentralen Unternehmensfragen starten, diese als Anker nehmen und entlang dieser Fragen digitalisieren, anstatt durch fehlende Stammdaten blockiert zu bleiben.
Inhalt:
00:34 - Woran die meisten Digitalisierungsprojekte scheitern
01:57 - Der Mensch als wichtige Informationsquelle
03:37 - Wie Digitalisierung für gute Entscheidungen ohne riesige Investition zielgerichtet funktionieren kann
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Warum Digitalisierungsprojekte oft scheitern
Herzlich willkommen zur ersten Themenserie. Ich habe meine Tafel mitgebracht, weil sich in den letzten Monaten eine Frage ständig wiederholt hat: Wie bauen wir gute Entscheidungsmodelle, wenn die Daten nicht vorhanden sind?
Dazu gibt es ein Bild, das ich in einem Vortrag ganz old school auf ein Blatt Papier gemalt habe. Die meisten Digitalisierungsprojekte laufen so: Man sammelt Daten, holt Insights heraus und weiß danach immer noch nicht, was wäre, wenn, und woran es gelegen hat. Dahinter steht eine Pyramide, die mich seit meiner Zeit im Maschinenbau begleitet und die wahrscheinlich jeder Zweite kennt: unten die Daten, darüber Insights und schließlich Wissen.
Fast jedes Digitalisierungsprojekt ist so aufgebaut: Wir schauen in die Daten und investieren dann Millionen Euro und zwölf Monate in Stammdatenqualität, um irgendwann Insights und daraus Wissen zu gewinnen. Das Problem: Das meiste scheitert schon unten. Man gibt viel Geld für Digitalisierung aus und stellt am Ende fest, dass es nicht geklappt hat und erst die Hälfte digitalisiert ist.
Wenn wir eine Entscheidung treffen müssen, brauchen wir verschiedene Menschen in der Informationskette und verschiedene Datenpunkte. Das fängt trivial an: Einer muss dem anderen etwas sagen, jemand ist krank, eine E-Mail wird nicht weitergeleitet. Und es reicht bis zu Fragen wie: Wie halten wir unsere Liefertreue ein? Wie berechnen wir die Kosten für ein Produkt richtig? Es bringt wenig, 70 % der Stückliste sehr gut digitalisiert zu haben, wenn auf dem Weg die Verrechnungsschlüssel der Gesamtkosten nicht auf die Produkte zurückfließen. Dann wissen wir immer noch nicht, mit welchem Produkt wir Geld verdienen oder verlieren.
Die Pyramide umdrehen: mit der Entscheidung starten
Ein Produktprinzip von Circonomit seit Tag 1: Gute Entscheidungen im Unternehmen dürfen nicht direkt von der Stammdatenqualität abhängen. Sonst sind wir immer blockiert, laufen in riesige Investitionsbudgets und kommen mit einem unbefriedigenden Ergebnis heraus. Natürlich gibt es Digitalisierungsprojekte, die sehr gut funktionieren, auch S/4HANA-Implementierungen. Das begegnet uns aber nur etwa einmal von 50 Mal.
Deshalb drehen wir die Pyramide gedanklich um. Das ist weniger ein Datenthema als eine andere Art, über Digitalisierung zu denken, gerade weil die Welt komplexer wird und immer mehr Datenquellen dazukommen. Wir fokussieren uns auf das, was zählt: dass wir als Unternehmer, Controlling-Leitung, Werksleitung oder Geschäftsführung gute Entscheidungen treffen können. Wir fragen jeden Kunden und Partner zuerst: Was ist gerade deine wichtigste und dringendste Entscheidung? Die Entscheidung ist bei uns der Startpunkt.
Damit richten wir den Fokus auf das Ergebnis, nämlich das Unternehmen gut zu steuern, statt an der Hürde Datenerhebung stehen zu bleiben. Danach fragen wir: Was sind die wichtigsten Treiber dieser Entscheidung? Das können Engpässe sein, Störungen im Alltag wie ein kranker Mitarbeiter, durch den sich ein Auftrag und alle Folgeaufträge verschieben, Maßnahmen oder das Lager. Aus vielen Gesprächen haben wir inzwischen einen Katalog von 50 bis 100 solcher Einflussgrößen.
Stammdaten entlang der wichtigsten Entscheidungen aufbauen
Über die Entscheidung kommen wir zu den Treibern und fokussieren uns auf das Wesentliche: die fünf bis zehn wichtigsten Informationsketten, die Einfluss auf die Entscheidung haben. Dann fragen wir: Was davon finden wir schon in Datenquellen, und was lebt noch im Bauchgefühl der Mitarbeiter? Genau da liegt die Crux.
So kümmern wir uns um die Stammdaten, die wirklich zählen, und digitalisieren entlang der wichtigsten Entscheidungen im Unternehmen. Der Gewinn: Wir schaffen ab Tag 1 Wert. Unser Produkt sieht ein bisschen aus wie ein Whiteboard, das rechnen kann. Wir fügen die Entscheidung als Baustein ein, zum Beispiel den Deckungsbeitrag der Produkte oder die Liefertreue von Aufträgen, ergänzen die fünf bis zehn wichtigsten Treiber und schaffen so gemeinsam mit dem Team ab Tag 1 Transparenz. Was noch nicht in Daten vorliegt, fügen wir als Schätzwert ein und verbessern die Stammdatenqualität Schritt für Schritt.
Das ist der erste Schritt der Problemlösung, mehr dazu in einem eigenen Video. Unser Herzensthema dahinter: dass wir in Europa wieder steuerungsfähig werden und als Industrie verstehen, wie wir in der Komplexität gut steuern können.
